Zu viele Erfolge, zu wenig Spass

12 08 2011

Einer der schönsten Momente in meinem Leben als Videospieler war es als ich damals, gleich am Releasetag, Zelda: Ocarina of Time beim Videospielhändler meines Vertrauens bezog und anschliessend im Spieleschacht meiner altgedienten N64-Konsole andockte. Klar war für heutige Verhältnisse die Grafik damals äusserst rudimentär und das Spiel bot neben einer sehr bescheidenen Open-World-Spielfläche auch sonst wenig Customizing-Möglichkeiten für den Charakter (was für Zelda-Spiele auch typisch ist), aber damals war es eine absolute Offenbarung. Auf Epona durch die Steppe von Hyrule zu reiten, Volvagia mit gekonnten Schlägen seinem freuigen Ende zuzuführen und Ganon von Angesicht zu Angesicht in den Burgruinen gegenüber zu treten gehören bis heute zu den unbestreitbar denkwürdigsten Augenblicken in meiner Tätigkeit als Polygonabenteurer.

Neben Zelda: OoT gab es aber auch diverse andere Spiele, die meine Konsole(n) regelmässig zum überhitzen brachten. darunter Extreme G, Devil may cry, Worms und Bloody Roar um nur einige zu nennen. Meine Affinität zu Videospielen erlaubte es mir später sogar einen Posten als Videospielredakteur bei einer bekannten Online-Gaming-Website für rund zwei Jahre zu besetzen, in denen ich noch mehr geniale (aber auch gottlos schlechte) Titel anzocken und meinen Horizont in der Welt der Health-Bars und Power-Ups erweitern konnte.

Allerdings geschah dann etwas merkwürdiges. Es ist mittlerweile wohl ziemlich ein Jahrzehnt vergangen und meine Begeisterung für Videospiele hat eine dramatische Änderung durchlaufen. Eine Änderung deshalb, da ich zwar nach wie vor von Pixels und Sprites begeistert bin, mich allerdings nicht mehr dazu aufraffen kann besagte Spiele durchzuspielen. Spiele, die ich als Kind vermutlich aufgrund ihrer schier unglaublichen Grafik und der enormen Fülle an Möglichkeiten innerhalb der Spielmechanik und Story wohl verschlungen hätte, vermögen mich nicht mehr vollends in ihren Bann zu ziehen.

Ich beobachte mich immer wieder wie ich Discs in meine PS3, Xbox360 oder Wii-Konsole einlege, die entsprechenden Titel spiele und schnell das Interesse daran verliere – und das obwohl es sich dabei um Top-Titel handelt. Was also ist schief gelaufen? Woher der plötzliche Schwund meiner einstigen Leidenschaft?

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Final Fantasy: The 4 Heroes of Light – Epische Schlachten mit Knuddelfaktor

16 10 2010

Nachdem Final Fantasy XVI meine Harddisk mit seiner blossen Existenz verunstaltet, dachte ich mir, dass ich um alter Zeiten willen der Serie doch noch eine Chance geben sollte. Welche bessere Möglichkeit gibt es dazu als das kürzlich für den Nintendo DS erschienene Final Fantasy: The 4 Heroes of Light.

Bei dem Titel handelt es sich im Grunde genommen um ein Remake des allerersten Final Fantasy, natürlich grafisch und spieltechnisch etwas aufpoliert. Die Story ist schnell erzählt. Als *Name eingeben“ (nennen wir ihn der Einfachkeit halber Al), also als Al eines morgens aufwacht, macht ihn seine Schwester, hysterisch und hibbelig wie Sie ist, darauf aufmerksam, dass heute der Tag sei an dem er den Test antreten müsse um die Grenze vom Adoleszentendasein zum Erwachsenentum zu überschreiten. Unser junger Held macht sich also auf dem Weg zum König um sich der Aufgabe zu stellen, aber etwas Furchtbares ist passiert, was den Zum-Mann-werden-Rythus total in den Schatten stellt. Prinzessin *Namen eingeben*, nennen wir Peggy, Prinzessin Peggy wurde von einer bösen Hexe entführt und Al muss sich auf den Weg machen das holde Maid aus den Händen der alten, Flüche ausstossenden Schrumpeltasche zu befreien. Hilfe kriegt er dabei von zwei weiteren Begleitern, die ihr ebenfalls nach eurem Gutdünken taufen könnt. Als schliesslich die Prinzessin gefunden und die Hexe besiegt ist (wobei Sie vorher noch irgend etwas von einer Vereinbahrung und einem grausamen Fluch brabbelt), geschieht etwas Seltsames. Sämtliche Bewohner des Dorfes wurden versteinert und ein seltsamer sprechender Kristall erscheint den vier Helden. Dieser betitelt Sie als die Kinder des Lichts, welche die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen werden.

Entgegen eurer naheliegenden Vermutung, versichere ich euch allerdings, dass Captain Planet während des gesamten Spiels kein einziges mal vorkommt. Obwohl sich die Story recht abgedroschen anhört und die vier Anfangscharaktere den gängigen Archetypen von RPG’s entsprechen (der Mutig Jüngling reinen Herzens, der arrogante aber gutherzige Rival, die schöne und versnobbte Prinzessin und das schüchterne aber irgendwie süsse Mädchen), entwickelt sich das Spiel aber zum totalen Suchtmittel.

Mithilfe der Kronen, die ihr im Spiel nach und nach erhaltet (zumeist durch das Ausschalten von Endgegnern), erhaltet ihr immer weitere verfügbare Klassen. Diese Reichen vom Barden, über den Dieb bis hin zum Weissmagier – insgesamt etwa 20. Ihr habt also jederzeit die Möglichkeit euer Team individuell zu gestalten um euren Monstervernichtungsfaktor zu maximieren. Stellenweise ist das auch bitter nötig, da ihr andernfalls keine Chance habt zu bestehen.

Optisch orientiert sich das Ganze an Spielen wie Animal Corssing oder Zelda: The Wind Waker. Die Pseudo-Cell-Shading Grafik passt aber wie die Faust aufs Auge. Während ihr malerische Gegenden auskundschaftet, werdet ihr von bedrohlichen Höllenhunden, Dämonenadlern und Elfen aus dem Hinterhalt angegriffen und wehrt diese mit eurer Gruppe, die ständig um neue Mitglieder ergänzt wird, ab. Der Sound ist, wie für DS-Verhältnisse zu erwarten ist, nicht spektakulär, erfüllt aber im Ausmass seiner Möglichkeiten durchaus seinen Zweck.

Unter dem Strich ist Final Fantasy: The 4 Heroes of Light ein durchwegs gutes Spiel mit hohem Unterhaltungsfaktor. Spieler, die sich mit der Knuddeloptik nicht so recht anfreunden wollen, aber auch Spieler die komplexe rundenbasierte Kämpfe mit viel Raum für individuelle Anpassung suchen, sind aber fehl am Platz. Für alle anderen ist das Spiel aber ohne jeden Zweifel ein Probespielen wert.