MMO-Katastrophe: Final Fantasy XIV

5 10 2010

Final Fantasy ist eine Serie, die sich unter Videospielern, die schon länger dabei sind als es kabellose Controller gibt, grosser Beliebtheit erfreut. Durch das damals innovative Kampfsystem, die genialen Stories und die immer wieder äusserst eindrückliche Grafik, haben die Serie zu einem Klassiker gemacht. Nicht umsonst gehen Exemplare von FF VII und FF VIII z.T. für hunderte von Franken (Euro, Dublonen, Zenny, wasauchimmer) über die Theke.

Allerdings sind viele Fans der Ansicht, dass es mit dem neunten Teil der epischen Saga langsam bergab ging. Klar, die Spiele waren immer noch super und absolute Must-Haves für die jeweiligen Konsolen, aber das gewisse Etwas, dass die Vorgänger in den Kultstatus erhoben hatte, fehlte hier. Mit Final Fantasy XI wagten Square bzw. Square-Enix dann den nächsten grossen Schritt, ein auf Final Fantasy basierendes MMORPG. Mit World of Warcraft auf Thron war das für damalige Verhältnisse ein äusserst gewagtes Unterfangen. Vor allem finanziell gesehen sind MMORPGs (oder allgemein MMO-Videospiele) wie russisches Roulette. Die Entwicklungs- und Unterhaltungskosten für das Spiel sind enorm, ganz abgesehen davon, dass ständig neuer Content eingearbeitet werden muss. Kommt das Spiel gut bei seinen Käufern an, werden Sie es Monate oder sogar Jahre lang spielen und sich mit grösster Wahrscheinlichkeit auch sämtliche Add-Ons, vielleicht sogar Lösungsbücher und Merchandise davon besorgen – eine Cash Cow quasi. Sollte das Spiel jedoch floppen, gehen Abermillionen von Dollarn den Bach runter. Denn auch wenn das Spiel nur eine winzige Spielerbase hat, muss dennoch Geld für die Aufrechterhaltung der Server, allfällige Updates u.Ä. ausgegeben werden. Für ein „normalsterbliches“ Unternehmen eigentlich der Todesstoss. Wie bereits an anderer Stelle, verweise ich auch hier auf Extra Credits, die die Problematik mit MMORPG’s (im wahrsten Sinne des Ausdrucks) schön illustrieren.

Nun ist vor knapp drei Wochen ein weiterer WoW-Konkurrent ins Rennen gegangen, und zwar kein geringerer als Final Fantasy XIV. Als das Spiel vor rund anderthalb Jahren an Sonys E3 Konferenz angekündigt wurde, drehten die Fans durch. Das Spiel hatte sich seit April 2005 (bis zum offiziellen Releasedatum des Spiels also fünf Jahre lang!) in Arbeit befunden und der erste Trailer war schlicht atemberaubend.

Die Videospielgemeinde konnte es nicht erwarten das Spiel endlich endlich in die Hände zu kriegen und vor knapp drei Wochen war es dann auch soweit und die ersten Collectors Editions wurden ausgeliefert. Natürlich durfte ich mir das nicht durch die Lappen gehen lassen und installierte das Spiel gleich am Releasetag auf meinem heimischen Rechner, begierig darauf die abenteuerlichen Landschaften von Eorzea zu durchforschen, gewaltige Unwesen zu bekämpfen und natürlich gewaltigen Spass dabei zu haben. Zunächst war dafür die Schaffung eines individuellen Spielcharas notwendig. Da man aus fünf Rassen, diversen Unterarten und Disziplinen wählen kann, kann man darauf schon eine Stunde oder zwei verwenden. Eorzea dann endlich als Thaumaturge (so etwas wie ein Schwarzmagier) der Elezen zu betreten war dann gleichermassen berauschend. Die Grafik war schlicht umwerfend und die Welt riesig. Schnell war die erste Quest gefunden und ich zog aus die Welt von Ratten zu befreien, danach Fledermäusen und schlussendlich Dodos (jetzt wisst ihr warum sie ausgestorben sind). Das Ganze war zwar recht spassig, verlor aber schnell an Reiz. Insbesondere, da es nur so wenige Quests gab. Also was tun? Da es sicherlich nicht schaden konnte, den eigenen Kampflevel zu steigern, entschloss ich mich einige freilaufende Monster zu töten… was ebenfalls nicht allzu lange motivierte, da einige („sehr schwache“) Monster bereits zu stark waren um Sie allein zu besiegen. Also beschloss ich meine Ausrüstung durch den Erwerb einiger neuer Items aufzubessern – denkste! Shops u.Ä. sucht man in FF XIV vergeblich. Die wenigen, die vorhanden sind, verkaufen nur einige lächerliche Kampf- und Ausrüstungsutensilien – Sackgasse. Zwar gibt es die Möglichkeit jederzeit seine Klasse zu Schmied, Alchemist o.Ä. zu wechseln und diese Kunst weiter aufzustufen, aber das dauert. Insbesondere wenn man neue Rüstungsteile für sich schmieden und Tränke brauen möchte. Andere Spieler, die besagte Items verkaufen, findet man nur vereinzelt und diese verkaufen meistens Ware, die nur unwesentlich besser als die eigene ist; also scheidet auch diese Option aus. Was dem Spieler übrig bleibt, ist also mit einem Team durch die Welt zu schlurfen und hie und da ein Monster zu verprügeln um Erfahrungspunkte zu erhaschen. Auch das vermag den Spieldrang auf die Dauer nicht wirklich aufrecht zu erhalten. Kurz: In meinen Augen ist Final Fantasy XIV ein Flop.

Andererseits dachte ich, dass mein Urteil nicht unbedingt zutreffend sein Muss. Vor allem da Aion, Phantasy Star Online und Ragnarök Online bisher die einzigen MMORPGs waren, die ich eine längere Zeit über gespielt habe. Umso erstaunter war ich als ich dann heute folgenden Artikel entdeckte.

SQUARE ENIX: DON’T REVIEW FF XIV

Allem Anschein nach hatte Square-Enix die Presse und die Spieler (aus welchem Grund auch immer) gebeten, dem Spiel einen Monat Zeit zu geben bevor sie ein Review dazu schreiben. Wie ihr euch aber sicherlich denken könnt, gingen die wenigsten darauf ein. Das Resultat war dann Folgendes:

Eine Pressebewertung von 38% und 1,5 von fünf möglichen Sternen von den Spielern. Und wir reden hier nicht von 20 oder 30 Spielern, fast 1’000 Spieler bewerteten das Spiel so tief. Natürlich könnte man nun argumentieren, dass das Spiel noch Zeit brauche um richtig aufzublühen. Aber war das bei World of Warcraft der Fall? Bei Aion? Nein. Und selbst wenn es der Fall wäre: Wer möchte sich 20 Stunden lang durch eintöniges Herumkloppen quälen bevor das Spiel so etwas wie Spielspass zu entwickeln beginnt? Aber woran genau scheitert FF XIV denn nun? Die Grafik ist überwältigend, die Möglichkeiten schier endlos und die Entwicklungszeit war mit satten fünf Jahern auch nicht zu knapp bemessen? Ich denke es lässt sich grob wie folgt erklären. Im grossen Unterschied zu WoW hat FF keinen leichten Einstieg. Man steigt nicht in die Welt von Eorzea ein, kriegt ein kurzes Tutorial zur Steuerung oder eine breite Palette an Quests am Anfang. Es ist vielmehr als würde man unvorbereitet herein geworfen und muss dann lernen mit der Steuerung, dem Kampfsystem und der Interaktion mit anderen Spielern klar zu kommen. Anders gesagt findet der Spieler gar nicht erst ins Spiel hinein. Es ist grossartig, dass FF XIV dem Chara im Game alle Türen offen lässt und man grundsätzlich jederzeit alles sein kann. Ein Koch, der nebenbei eine Lanze schwingt, kein Problem. Ein Conjurer, der sich als Schmied verdingt, aber auch der Alchemie und Nähkunst Herr ist – absolut möglich. Vor einiger Zeit habe ich in einem Internetforum zu diesem Thema folgenden Quote gelesen:

World of Warcraft ist sowas wie Fastfood. Man hat sofort Zugriff darauf, muss sich nicht lange mit Kochen aufhalten und kann sofort loslegen. Final Fantasy XIV ist etwas für Geniesser. Man stellt sich sein Menü zusammen, holt die Zutaten und kreiert so seine ganz persönliche Lieblingsspeise.

Grundsätzlich kann ich das bestätigen. Allerdings sehe ich das Problem eher darin, dass dem Spieler keine andere Wahl bleibt als „sich seine eigene Speise zu zaubern“. Wer in diesem Genre unerfahren ist oder sich nicht stundenlang Zeit nehmen kann und womöglich bloss eine Stunde oder zwei Spielen möchte, ist aufgeschmissen. Um langsam zum Ende zu kommen: Final Fantasy XIV ist an sich kein miserables Spiel. Vieles kann sich noch daraus entwickeln und womöglich findet es seinen Platz in der Hall-of-Fame der MMORPGs allen Umständen zum trotz. Dennoch bin ich herb davon enttäuscht und sehe die Erwartungen, die an das Spiel gestellt wurden als nicht erfüllt. Square-Enix hatte hier die Gelegenheit etwas Monumentales zu erschaffen, aber für mehr als „ganz passabel“ hat es nicht gerreicht.

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