Retro rockt!

29 09 2010

Videospiele haben seit ihren Kindertagen eine rapide und exponentielle Entwicklung erfahren und das in vielerlei Hinsicht. Die derzeit beinahe lebensechte Grafik, lässt sich mittlerweile schon gar nicht mehr mit Klassikern wie Pong oder Pacman vergleichen. Ähnlich sieht es mit der musikalischen Untermalung aus. Wo früher noch eine Anzahl Pieptöne aus einem Miniaturlautsprecher herausblubberte, die man an einer Hand abzählen konnte, gibt es heute orchestrale verbesserte Umsetzung derselben, die aus der heimeigenen Dolby-Surround-Anlage das Ohr in Dauerextase versetzt – was super ist. Es ist naheliegend, dass mit einem derartigen Sprung in der Technik auch eine Steigerung der Komplexität der Spiele einhergeht.

Hier ergeben sich für Entwickler und Spieler gleichermassen interessante Möglichkeiten. Wie bereits in Extra Credits angedeutet, haben sich Spiele weiterentwickelt. Durch den unglaublichen Fortschritt kann dem Spieler ein vollkommen neues Spielerlebnis geboten werden, dass nicht mehr nur darin besteht Spass am Spiel zu haben. Ein Spiel kann zum Denken anregen, Einsichten vermitteln und vieles mehr. Etwas das vor zehn Jahren mit diesem Medium noch vollkommen unmöglich gewesen wäre. Vor allem Spiele wie Mass Effect, Assassins Creed und Bioshock bedienen sich dieses Elements. Allerdings möchte ich in diesem Post nicht unbedingt darauf eingehen, aber es ist nötig sich dies alles vor Augen zu halten wenn man das Nachfolgende liest.

Vor einiger Zeit legte ich Quantum Theory in meine heimische PS3-Konsole und versuchte mich in der gnadenlosen Zombie-Soldaten-Dezimation, was eine Weile lang auch ganz witzig war, aber schnell langweilig wurde. Das war kein Einzelfall. Schon vorher hatte ich mir Spiele besorgt auf die ich mich wie ein ein Zombie über Steven Hawking auf einem Silbertablett gefreut hatte, die aber als sie schliesslich in der Konsole steckten keinerlei oder nur wenig Spass boten. Woran liegt das? Bin ich Videospielen überdrüssig geworden? Heute war ich mit einem ähnlich pixelverliebten Kollegen in einem Retro-Game-Geschäft und wir haben uns einige Klassiker und Perlen unserer Kindheit mit unseren schwer verdienten Dublonen finanziert. Meine Ausbeute bestand unter anderem aus einem Neo Geo Pocket Color, einem Handheld, der 1999 von SNK auf den Markt gebracht wurde. Im Grunde genommen nur ein besserer (ja, hier scheiden sich die Geister) Gameboy Advance. Aus langer Weile zog isch später im Zug das Gerät aus der Tasche und steckte Sonic the Hedgehog: Pocket Adventure in den Modulschacht. Nachdem ich mit dem blauen Igel einige Ringe gesammelt und mit Epilepsie-Anfall-erregender Geschwindigkeit durch die Levels geflitzt war, fiel mir etwas auf: ich hatte Spass daran.

Obwohl das Spielkonzept lächerlich einfach und die Grafik peinlich veraltet ist, war es einfach nur total unterhaltsam den Igel Rampen rauf und runter zu schicken und in der Gegend umherschwebende Ringe einzusammeln. Soll das nun heissen, dass moderne Spiele Müll sind? Nein, auf keinen Fall! Das Problem in der heutigen Videospielindustrie ist, dass um ein Spiel auf den Markt zu bringen, dass dort auch erfolgreich ist, ein unglaublicher finanzieller Aufwand getätigt werden muss. Und selbst das ist noch kein Garant dafür, dass das Spiel tatsächlich nicht auf den Händlerregalen verstaubt. Das ist auch der Grund warum viele Genres praktisch ausgestorben sind bzw. so stark verändert wurden. Man nehme einen Klassiker wie Resident Evil oder Silent Hill. Beides Survival-Horror-Games der Spitzenklasse, aber heute kaum mehr als solche wieder zu erkennen. Tatsache ist, dass der Otto-Normal-Spieler heutzutage für gewöhnlich keinen Survival-Horror spielt. Zwar gibt es nach wie vor noch eingefleischte Horrorfans, die sich an Spielen wie Eternal Darkness, The Call of Cthulhu oder Forbidden Siren ergötzen, aber die Anzahl dieser Spieler ist so verschwindend gering, dass sich rein umsatzmässig die Entwicklung und Vermarktung eines solchen Spiels kaum auszahlen würde. Also wird ein Element beigefügt mit dem so gut wie alle Spieler etwas anfangen können – Action. Dazu noch eine Prise Herumgeballere und man hat einen Titel, der die Chance hat einer breiteren Masse zu entsprechen – was enorm schade ist. Nicht umsonst will Capcom nun Dead Rising als sein neues Flagschiff krönen, während Resident Evil langsam in der Versenkung verschwindet.

Der Punkt ist, dass viele geniale Spiele, vor allem Titel, die eher den „Randgruppen-Sparten“ zugehörig sind, vor allem noch bei alten Konsolen zu finden sind. Mal ehrlich, wem von euch macht Duckhunt keinen Spass? Wer hat sich beim Durchspielen von Monkey Island keine Magenkrämpfe angelacht? Ich will damit nicht sagen, dass heutige Games schlecht sind, im Gegenteil. Ich finde, dass Spiele wie Assassins Creed, Uncharted, Call of Duty und Mass Effect absolut wegweisend sind. Aber über all die gerenderten Polygonschönheiten und atemberaubenden Effekte, sollte man die Retro-Games nicht vergessen und erst nicht verspotten. Sie sind die Grundlage für alles was wir heute in die Konsolenschächte schieben und haben kein bisschen von ihrer Genialität eingebüsst. Retro rockt!

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